Mittwoch, 8. November 2017

Heilige Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit

Unretuschierte Fotos der Heiligen
bei ihrem Eintritt als Braut Christi
in den Karmel von Dijon
und als Novizin.


VENI, sponsa mea, veni:
vulneráste cor meum,
soror mea sponsoa,
vulnerásti cor meum.

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Komm, meine Braut, komm.
Du hast mein Herz verwundet,
meine Schwester, meine Braut;
du hast mein Herz verwundet.




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Dienstag, 7. November 2017

Letzte Exerzitien. - Hl. Elisabeth v.d. hlgs. Dreifaltigkeit (17/17) - Sechzehnter Tag

„Gleichwie ein Hirsch verlangt nach Wasserquellen, also verlangt meine Seele nach dir, o Gott! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem starken, lebendigen Gott. Wann werde ich hinkommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?“ (Ps 41,1f).

Und dennoch: „Wie der Sperling sein Haus findet und die Turteltaube ihr Nest, wo sie ihre Jungen hineinlegt“ (Ps 83,4), so hat auch „Laudem gloria“' in Erwartung jener Stunde, die sie ins himmlische Jerusalem, in die „selige Vision des Friedens“ führen soll, schon hienieden ihre Seligkeit, ihren Himmel gefunden, wo sie das Leben beginnt, das sie in Ewigkeit führen soll.

Wie zu Zachäus, so hat auch zu mir der göttliche Meister gesagt: „Steig eilends herab; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren!“ [Lk 19,5] Steig eilends herab, aber wohin? In das Innerste meiner Seele, nachdem ich mich selbst verlassen, mich von meinem Ich getrennt und losgeschält habe.

„Ich muss in deinem Haus einkehren!“ Der Meister will in mir wohnen mit dem Vater und dem Hl. Geist, damit ich Gemeinschaft mit ihnen habe (1 Joh 1,3). Ihr seid nicht mehr Fremdlinge, sondern ihr seid ... Hausgenossen Gottes“ (Eph 2,19), sagt der hl. Paulus.

Hausgenosse Gottes sein, d. h. im Schoß der Dreifaltigkeit in jener unbezwinglichen Burg der heiligen Sammlung wohnen.


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Montag, 6. November 2017

Letzte Exerzitien. - Hl. Elisabeth v.d. hlgs. Dreifaltigkeit (16/17) - Fünfzehnter Tag

Nach Jesus Christus, freilich in unendlichem Abstand von ihm, ist Maria das große „Lob der Herrlichkeit“ für die heiligste Dreifaltigkeit. Vollkommen entsprach sie der göttlichen Auserwählung nach dem Wort des Apostels: „Immer rein, makellos, untadelhaft“ [Kol 1,23] vor den Augen des dreimal heiligen Gottes.

Mariens Seele ist so einfach, ihre Lebensäußerungen sind so tief, dass man sie nicht erfassen kann. Ihr Leben ist so durchsichtig klar, so leuchtend, dass man sie für das Licht selbst halten könnte. Dennoch ist sie nur ein „Spiegel“ der „Sonne der Gerechtigkeit“.

„Die Jungfrau bewahrte alle diese Dinge in ihrem Herzen.“ Ihre ganze Geschichte lässt sich in diesen wenigen Worten zusammenfassen. Ihr Leben strömte in ihrem Herzen zusammen, aber in einer Tiefe, in die der menschliche Blick nicht zu dringen vermag. Wenn ich im Evangelium lese, dass Maria „eilig über das Gebirge von Juda ging“, um ihr Liebeswerk bei ihrer Base Elisabeth auszuüben, dann sehe ich sie so schön, so ruhig, so majestätisch, so gesammelt mit dem Worte Gottes vorüberwandeln! Gleich ihm betete sie allezeit: „Ecce!“ - Da bin ich! — Wer? — Die Magd des Herrn, die letzte seiner Kreaturen, sie, seine Mutter!

Maria war so wahr in ihrer Demut! Weil sie immer sich selbst vergaß, nichts von sich wusste und von sich selbst frei war, konnte sie singen: „Große Dinge hat er an mir getan, der da mächtig ist. Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter!“

Die Königin der Jungfrauen ist auch die Königin der Märtyrer. Ihr Herz wird vom Schwert durchbohrt, bei ihr vollzieht sich alles im Innern. Wie ist sie in ihrem langen Martyrium gleichsam eingehüllt in eine Majestät, die zugleich Kraft und Milde ausstrahlt! Vom Wort Gottes selbst hatte sie gelernt, wie die leiden müssen, die der Vater zu Schlachtopfern auserkoren hat, jene, die er nach seinem Ratschluss vorhergesehen und vorherbestimmt hat, seinem Gesalbten gleichförmig zu werden, dem Gekreuzigten aus Liebe.

Da steht sie am Fuß des Kreuzes und der Meister sagt mir: „Siehe, deine Mutter!“ Er schenkt sie mir als Mutter. Und jetzt, da er zum Vater aufgefahren ist und mich an seiner Stelle aufs Kreuz gelegt hat, damit ich an meinem Leib ersetze, was seinem Leiden abgeht für seinen mystischen Leib, die Kirche, weilt auch die Jungfrau bei mir, um mich leiden zu lehren, wie er gelitten hat.

Wenn ich mein „consummatum est“, „es ist vollbracht“ gesprochen habe, wird auch sie mich einführen in die ewigen Vorhöfe, mir leise das geheimnisvolle Wort zuflüsternd: „Laetatus sum in his, quae dicta sunt mihi: in domum Domini ibimus!“ „Ich freue mich, weil man mir sagt: Lasst uns gehen zum Hause des Herrn!“ (Ps 121,1).


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Sonntag, 5. November 2017

Letzte Exerzitien. - Hl. Elisabeth v.d. hlgs. Dreifaltigkeit (15/17) - Vierzehnter Tag

„Ich halte alles für Verlust um der alles übertreffenden Erkenntnis meines Herrn Jesu Christi willen, um dessentwillen ich auf alles verzichtet habe ... um Christus zu gewinnen und in ihm erfunden zu werden, nicht mit meiner Gerechtigkeit ... sondern mit der Gerechtigkeit aus Gott durch den Glauben, sodass ich ihn erkenne und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich ihm ähnlich werde im Tod ... Ich strebe danach, ob ich es etwa ergreife; wie auch ich von Christus ergriffen bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, es ergriffen zu haben. Eins aber tue ich: ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt. Dem vorgesteckten Ziel eile ich zu, dem Preis der von oben erhaltenen Berufung Gottes in Christus Jesus.“ (Phil 3,8 ff).

Die Größe dieser Berufung hat der Apostel oft hervorgehoben. Wie soll ich der Würde einer solchen Berufung entsprechen? 


„Christus ist mein Leben.“ (Phil 1,21). „Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir!“ (Gal 2,20).  Das ist das Mittel. Ich muss in Christus umgewandelt werden. Deshalb ist es notwendig, dass ich dieses göttliche Vorbild studiere, damit ich so sehr mit ihm eins werde, dass ich unaufhörlich durch mein Sein und Tun den Augen des Vaters das Abbild seines Sohnes darstelle.

Was sagt nun Christus bei seinem Eintritt in diese Welt? „Siehe, ich komme, o Gott, zu vollbringen deinen Willen.“ (Hebr 10,9).  So aufrichtig gemeint war diese erste Aufopferung des göttlichen Meisters, dass sein Leben gewissermaßen der Ausfluss derselben war.

„Meine Speise ist“, pflegte er zu sagen, „dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt!“ (Joh 4,34).

Diese Speise muss auch die der Braut sein, zugleich jedoch auch das Schwert, das sie hinopfert.

„Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Mk 14,36). In Frieden geht sie dann zur Schlachtbank mit dem Meister, glücklich darüber, dass der Vater sie als die Seine erkennt, da er sie mit seinem Sohn kreuzigt. Dadurch, dass sie ihn nie verlässt, sondern ihn mit aller Kraft umklammert, wird sie fähig, jene geheime Kraft auszustrahlen, welche die Seelen befreit und rettet.

Mit dem göttlichen Anbeter wird sie Gott „allezeit darbringen das Opfer des Lobes, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.“ (Hebr 13,15).  Sie wird ihn loben ob der großen Herrlichkeit seiner Heiligkeit und von seiner Größe erzählen.

Zur Stunde der Demütigung, der Vernichtung wird sie sich des Wortes erinnern: „Jesus autem tacebat“ [Jesus aber schwieg. Mt 26,63], und wird schweigend ihre ganze Kraft dem Herrn bewahren, jene Kraft, die aus dem Schweigen fließt.

Naht die Verlassenheit und Seelenangst, die Christus den großen Klageruf erpresste: „Warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34), dann wird sie sich erinnern, dass der Herr gebetet hat: „dass eure Freude vollkommen sei!“ Den Kelch, den der Vater bereitet hat, wird sie bis zur Neige trinken und in dessen Bitterkeit eine göttliche Süßigkeit finden.

Endlich, nachdem sie oft gesprochen hat: „Mich dürstet!“ d. h. „Ich verlange danach, dich in deiner Glorie zu besitzen“, wird sie sterbend sprechen: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19, 30). „In deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ (Lk 23,46). Und der Vater wird ihr sein Erbe geben, wo sie sein Licht im Licht schauen wird (Ps 35,10). „Wisset“, singt David, „dass der Herr Wunder getan hat an seinen Heiligen.“ (Ps 4,4) Ja, der heilige Gott ist dann in dieser Seele verherrlicht worden; denn er hat alles in ihr zerstört, um sie mit sich zu bekleiden, und sie hat ihr Leben nach dem Wort des Vorläufers gestaltet: „Er muss wachsen; ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30).


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Samstag, 4. November 2017

Letzte Exerzitien. - Hl. Elisabeth v.d. hlgs. Dreifaltigkeit (14/17) - Dreizehnter Tag

Instaurare omnia in Christo!“ (Eph 1,10). Alles in Christus erneuern!

Der hl. Paulus ist wieder mein Lehrer x. Der hl. Paulus, der sich in den tiefen Ratschluss Gottes versenkt hat, sagt mir, dass der Herr bei sich beschlossen hat, alles in Christus zu erneuern.

Damit ich vollständig diesen göttlichen Plan verstehe und erfülle, zeichnet mir der Apostel selbst eine Lebensregel vor: „Wandelt in Jesus Christus, eingewurzelt und gegründet in ihm, fest im Glauben ... und wachset in ihm mit Danksagung.“ (Kol 2,6).

In Christus wandeln, heißt das nicht, aus sich heraustreten, sich selbst verlassen, um mit jedem Augenblick tiefer in ihn einzudringen, so tief, dass man in ihm Wurzel schlägt und jedem kommenden Ereignis begegnen kann mit der kühnen Herausforderung: „Wer wird mich scheiden von der Liebe Christi?“ (Röm 8,35).

Wenn die Seele so tief in ihm gegründet ist, dass ihre Wurzeln sich an ihn klammern, dann fließt ihr der göttliche Lebenssaft in Strömen zu und alles, was nichtig, unvollkommen, natürlich ist, wird zerstört: „Das Sterbliche wird durch das Leben verschlungen.“ [Vgl. 2 Kor 5,4]. So von sich selbst losgeschält, bekleidet mit Christus, braucht die Seele weder die Berührung mit der Außenwelt, noch die Schwierigkeiten im Innern zu fürchten. Weit entfernt ein Hindernis zu bilden, lassen diese Dinge sie nur noch tiefer in der Liebe ihres Meisters wurzeln. Sie kann mit dem Psalmisten singen: „Wenn ein Heerlager wider mich aufsteht, so wird sich mein Herz nicht fürchten; wenn sich ein Streit wider mich erhebt, so will ich dabei hoffen ... denn er hat mich verborgen in seinem Zelt“ (Ps 26,3 u. 5), d. h. in sich selbst.

Das, so scheint mir, meint der hl. Paulus mit den Worten, dass wir in Christus „eingewurzelt“ sein sollen.

Was bedeutet aber, auf ihn gegründet sein? Der Prophet singt: „Er hat mich auf einen Felsen gehoben. Und nun erhob er mein Haupt über meine Feinde.“ (Ps 26,6). Ist das nicht das Bild einer Seele, die auf Christus gegründet ist? Er ist jener Felsen, auf den sie gehoben wird über sich selbst, über die Sinne und die Natur, über alle Tröstungen und Schmerzen, über alles hinaus, was nicht einzig und allein er ist. Auf dieser Höhe besitzt sich die Seele vollkommen, beherrscht und überragt sich selbst und damit alle anderen Dinge.

Der hl. Paulus empfiehlt mir auch, festzustehen im Glauben, in jenem Glauben, welcher der Seele nicht gestattet einzuschlummern, sondern sie allezeit wach erhält unter dem Blick ihres Meisters, tief gesammelt unter dem Einfluss seines Schöpferwortes, in jenem Glauben an die überschwängliche Liebe Gottes.

Endlich will der Apostel, dass ich in Christus wachse durch Danksagung. So muss alles vollendet werden. „Vater, ich danke dir.“ (Joh 11,41).  Das sang die Seele Christi und er will das Echo dieser Worte in meiner Seele vernehmen. Aber mir scheint, dass das „neue Lied“, das meinen Gott am meisten entzückt und fesselt, der Gesang einer von sich selbst entäußerten, befreiten Seele ist, in der er sein Wesen abspiegeln und seinen Willen gänzlich durchführen kann. Diese Seele wird unter seiner Hand zur Laute, alle ihre Gaben sind Saiten, die Tag und Nacht zum Lob seiner Herrlichkeit erklingen.

x [Die Schriften der hl. Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit sind ganz durchsetzt von Zitaten und Gedanken des großen Völkerapostels. Nebst dem hl. Johannes v. Kreuz, war der hl. Paulus ihr Lieblingslehrer.]


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Freitag, 3. November 2017

Letzte Exerzitien. - Hl. Elisabeth v.d. hlgs. Dreifaltigkeit (13/17) - Zwölfter Tag

Verbum caro factum est et habitavit in nobis!“ (Joh 1,14). Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Gott hatte gesagt: „Seid heilig, weil ich heilig bin!“ [Lv 11,44]. Aber er war so verborgen und unnahbar. Er musste zu seinen Geschöpfen herabsteigen, ihr Leben leben, damit sie seinen Fußstapfen folgen, so wieder zu ihm hinaufsteigen und heilig werden konnten.

„Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt seien.“ (Joh 17,19). Ich betrachte jetzt das Geheimnis, das den Zeiten und Geschlechtern verborgen ist, das Geheimnis, das Christus selbst ist, der für uns die „Hoffnung der Herrlichkeit“ ist, wie der hl. Paulus sagt. Er fügt hinzu, ihm sei das Verständnis dieses Geheimnisses verliehen worden. Von diesem großen Apostel will ich mich also belehren lassen, um in den Besitz jener Wissenschaft zu gelangen, die alles Erkennen übersteigt, die Wissenschaft nämlich von der Liebe Christi (Eph 3,19).

Zuerst sagt er mir, dass er mein Friede ist. „Durch ihn habe ich Zutritt zum Vater; denn es hat dem Vater der Lichter gefallen, dass in ihm alle Fülle wohne, dass durch ihn alles mit ihm versöhnt werde, sowohl was auf Erden, als was im Himmel ist.“ (Kol 1,19 ff). „Ihr seid in ihm erfüllt“, so spricht der Apostel im 2. [sic] Kolosserbrief [vgl. Kol 2,10], „und in der Taufe mitbegraben mit ihm, auch auferstanden mit ihm durch den Glauben an die Macht Gottes ... Er hat euch mitbelebt mit ihm, indem er (der Vater) euch alle Sünden vergab und die Handschrift des Urteils, die wider uns war, auslöschte, wegnahm und ans Kreuz heftete“ (Kol 2,10 ff), „damit wir heilig, untadelhaft und unsträflich vor ihm seien.“ (Kol 1,22). So handelt Christus mit jeder Seele, die guten Willen hat und seine unendliche, übergroße Liebe drängt ihn, dies auch in mir zu wirken.

Er will mein Friede sein, damit nichts mich zu zerstreuen und aus jener unerschütterlichen Burg der heiligen Sammlung zu vertreiben vermöge. Dort wird er mir Zutritt zum Vater geben und mich in seiner Gegenwart erhalten, als ob meine Seele sich schon in der Ewigkeit befände. Durch sein am Kreuz vergossenes Blut wird er alles in meinem Innern zur Ruhe bringen, damit dieses wirklich die Ruhestätte der allerheiligsten Dreifaltigkeit werde ... Er wird mich mit sich erfüllen, mich in sich begraben, er wird mich in sich leben lassen, leben von seinem Leben: „Mihi vivere Christus est – Christus ist mein Leben!“ (Phil 1,21).

Und wenn ich auch jeden Augenblick falle, so will ich im gläubigen Vertrauen mich von ihm aufheben lassen; denn ich weiß, dass er mir alles verzeihen wird. Ja, mehr als dies! Er wird mich berauben, befreien von all meinem Elend, von allem, was die göttliche Wirksamkeit hindert. Er wird „meine Gewalten“ (Seelenkräfte) mit sich gefangen fortführen, über sie triumphieren durch sich selbst. Dann werde ich ganz in ihm eingegangen sein und sagen können: „Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir!“ x Und ich werde heilig, rein und untadelhaft sein in den Augen des Vaters.

x [Gal 2,20; Elisabeth schreibt hier nicht „Christus lebt in mir“, sondern „mein Meister lebt in mir“. Die Verfasserin der „Souvernirs“ scheint bei den Textwiedergaben, was den Wortlaut betrifft, nicht immer so genau zu sein, weil sie vielleicht aus dem Gedächtnis oder nur dem Sinn nach zitiert. Dies tut dem Inhalt aber keinen wesentlichen Abbruch. Vgl. Sagordy / Karl / Reiter, ebd., Bd. 1, S. 33 f. Teilweise liegt es auch an der Übersetzung, die nicht immer den Wortlaut trifft, sondern freier übersetzt.]


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Donnerstag, 2. November 2017

Letzte Exerzitien. - Hl. Elisabeth v.d. hlgs. Dreifaltigkeit (12/17) - Elfter Tag

„Der Herr hat mich ins Weite geführt; er rettete mich, weil er mich liebte.“ (Ps 17,22). Wenn der Herr sein Geschöpf tief gesammelt in seiner inneren Einsamkeit betrachtet, dann wird er von dessen Schönheit gefangen und führt es hinaus in jene Weite, von welcher der Psalmist singt und die nichts anderes ist, als er selbst. „So will ich eingehen in die Kraft des Herrn.“ (Ps 70,16).

Der Herr hat durch seinen Propheten gesprochen: „Ich will sie in die Einsamkeit führen und zu ihrem Herzen sprechen.“ (Os 2,14) So geht die Seele ein in jene weite Wüste, wo sie Gott vernehmen wird. „Das Wort Gottes aber ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es Seele und Geist, auch Mark und Bein, scheidet.“ (Hebr. 4,12).

Das Wort Gottes selbst wirkt also diese Losschälung in der Seele. Es ist ihm eigentümlich, dass es das, was es zu verstehen gibt, auch bewirkt und schafft, wenn die Seele nur mit sich schalten und walten lässt.

Doch es genügt nicht, das göttliche Wort zu vernehmen. Die Seele muss es auch bewahren. Dadurch wird sie geheiligt in der Wahrheit nach dem Wunsch des göttlichen Meisters: „Heilige sie in der Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.“ (Joh. 17,17).

Hat er nicht dem, der sein Wort bewahrt, versprochen: „Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden Wohnung bei ihm nehmen?“ (Joh 14,23). Die heiligste Dreifaltigkeit wohnt in einer Seele, die das Wort Gottes bewahrt. Hat die Seele einmal ihren Reichtum begriffen, so werden alle natürlichen und übernatürlichen Freuden, die sie empfindet, nur eine Einladung zur inneren Einkehr, um Gott, das höchste Gut, zu genießen. „So erlangt sie“, sagt der hl. Johannes vom Kreuz, „eine gewisse Ähnlichkeit mit dem göttlichen Wesen.“ [Vgl. Das Lied der Liebe, Stophe 39.]

„Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“ [Mt 5, 48]. Der hl. Paulus sagt mir, dass Gott alles nach dem Ratschluss seines Willens wirkt [Eph 1,11], und mein göttlicher Meister fordert von mir, dass ich ihm huldige, indem auch ich alle Dinge nach dem Ratschluss seines Willens tue, d. h. ich darf mich nie beherrschen lassen durch die ersten Eindrücke und Regungen der Natur, ich muss mich im Gegenteil selbst besitzen durch den Willen. Damit aber dieser Wille frei sei, muss ich ihn einfrieden in den Willen Gottes; alsdann werde ich getrieben von seinem Geist. Alles, was ich tue, ist gleichsam göttlich, ewig und nach dem Bild des Unveränderlichen.


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